Gesundheit braucht Zukunft – Gedanken eines Hausarztes nach der Diskussion mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in Münster
Gestern hatte ich die Gelegenheit, Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in Münster zuzuhören und mit ihr sowie vielen weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Zukunft unseres Gesundheitswesens zu diskutieren.
Als Hausarzt gehe ich mit gemischten Gefühlen nach Hause.
Ich liebe meinen Beruf.
Jeden Tag begleite ich Menschen oft über viele Jahre – manchmal sogar über Generationen. Ich kenne ihre Geschichten, ihre Sorgen, ihre Familien. Ich freue mich mit ihnen über gute Nachrichten und begleite sie auch durch schwere Zeiten. Genau das macht die Hausarztmedizin für mich so besonders.
Doch ich frage mich immer häufiger:
Wie lange können wir dieses System noch in dieser Form aufrechterhalten?
Unsere Praxen werden voller. Unsere Patienten werden älter und kränker. Gleichzeitig wächst die Bürokratie, die Kosten steigen und immer weniger junge Kolleginnen und Kollegen entscheiden sich für eine eigene Praxis.
Dabei geht es längst nicht nur um uns Hausärzte.
Es geht um unsere Pflegekräfte.
Um unsere Medizinischen Fachangestellten.
Um die Apotheken.
Um Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten.
Um Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Und selbstverständlich um unsere Krankenhäuser.
Alle tragen Verantwortung. Alle leisten Tag für Tag Großartiges. Und alle müssen auch in Zukunft unter guten Bedingungen arbeiten können.
Natürlich müssen wir unser Gesundheitssystem weiterentwickeln. Natürlich müssen wir über Wirtschaftlichkeit und Einsparungen sprechen.
Aber wir sollten zuerst dort sparen, wo keine Patientenversorgung verloren geht.
Müssen wir dauerhaft eine Vielzahl von Krankenkassen mit parallelen Verwaltungsstrukturen und Geschäftsstellen in nahezu jeder Stadt unterhalten?
Sollten wir nicht gemeinsam mit der Pharmaindustrie nach Wegen suchen, Medikamente – wie in vielen anderen europäischen Ländern – günstiger einzukaufen?
Warum verbringen Ärztinnen und Ärzte täglich Stunden mit Formularen, anstatt sich um ihre Patienten zu kümmern?
Und warum wird die wichtigste Ressource unseres Gesundheitswesens – das persönliche Gespräch, Vertrauen und eine langfristige Begleitung – häufig geringer bewertet als technische Leistungen?
Ich wünsche mir Reformen mit Mut.
Reformen, die nicht einzelne Berufsgruppen gegeneinander ausspielen, sondern alle Beteiligten an einen Tisch bringen:
Politik.
Krankenkassen.
Pharmaindustrie.
Krankenhäuser.
Apotheken.
Pflege.
Therapeutinnen und Therapeuten.
Ärztinnen und Ärzte.
Denn wir verfolgen alle dasselbe Ziel:
Eine hochwertige, menschliche und langfristig sichere medizinische Versorgung für unsere Patientinnen und Patienten.
Gerade die hausärztliche Versorgung verhindert jeden Tag Krankenhausaufenthalte, erkennt Krankheiten früh und begleitet Menschen oft ein Leben lang.
Sie ist keine Belastung für unser Gesundheitssystem.
Sie ist eines seiner Fundamente.
Ich hoffe sehr, dass die heutige Diskussion nicht nur ein Austausch war, sondern der Beginn eines offenen und ehrlichen Dialogs.
Liebe Frau Warken, vielen Dank, dass Sie heute den direkten Austausch gesucht haben.
Ich möchte Sie herzlich einladen: Besuchen Sie uns Hausärztinnen und Hausärzte in unseren Praxen. Erleben Sie einen ganz normalen Arbeitstag. Sprechen Sie mit unseren Teams, mit unseren Patientinnen und Patienten und sehen Sie, wo Reformen wirklich helfen können.
Wir stehen jederzeit gerne als Gesprächspartner zur Verfügung – nicht, weil wir nur unsere Interessen vertreten möchten, sondern weil wir jeden Tag erleben, was unsere Patienten brauchen.
Denn am Ende geht es nicht um Budgets.
Nicht um Punktwerte.
Nicht um einzelne Berufsgruppen.
Es geht um unsere Eltern.
Es geht um unsere Kinder.
Es geht um unsere Nachbarn.
Es geht um jeden Menschen, der darauf vertraut, auch morgen noch gut medizinisch versorgt zu werden.
❤️ Dafür lohnt es sich, gemeinsam Lösungen zu finden.
